Photovoltaik 2026: Marktentwicklung, Technologietrends und Zukunftsperspektiven

Die Photovoltaik-Branche durchlebt 2026 eine Phase der Konsolidierung. Nach den Rekordjahren 2022 bis 2024 mit enormen Zuwachsraten hat sich der Markt spürbar abgekühlt – doch Experten bewerten dies als „Normalisierung auf hohem Niveau“ . Dieser Artikel beleuchtet die aktuellen Entwicklungen, technologischen Neuerungen und wirtschaftlichen Perspektiven der Solarenergie in Deutschland und weltweit.

1. Der Photovoltaik-Markt 2026: Stabile Nachfrage nach dem Boom

1.1 Marktentwicklung in Deutschland

Der deutsche Solarmarkt zeigt sich 2026 stabil, aber verändert. Nach den außergewöhnlichen Wachstumsjahren 2022 und 2023, in denen die Installationszahlen Rekordniveau erreichten, hat sich der Markt seit 2024 schrittweise normalisiert . Im Gesamtjahr 2025 wurden in Deutschland knapp 400.000 Photovoltaik-Anlagen im Residential-Segment installiert – deutlich weniger als der Peak 2023 mit über 670.000 Anlagen, aber immer noch ein beachtliches Marktniveau .

Der Januar 2026 gilt als wichtiger Frühindikator für die Jahresentwicklung. In diesem traditionell witterungsbedingt schwachen Monat wurden inklusive Nachmeldungen knapp 26.000 PV-Anlagen im Segment 5 bis 25 kWp installiert . Das entspricht einem Rückgang von rund 29 Prozent gegenüber Januar 2025, liegt aber für einen „überraschend kalten und schneereichen Wintermonat“ auf stabilem Niveau .

Besonders auffällig ist der Strukturwandel im Residential-Segment: Der Anteil der Anlagen bis 10 kWp ist im Januar 2026 auf unter 40 Prozent gefallen, während Anlagen oberhalb von 10 kWp seit Jahren kontinuierlich an Bedeutung gewinnen . Dieser Trend zu größeren Anlagen hat mehrere Gründe:

  • Höhere Wirtschaftlichkeit durch Skaleneffekte
  • Steigender Eigenverbrauch durch Wärmepumpen und Elektromobilität
  • Attraktivere Investitionskosten pro Kilowatt-peak

Für Installateure bedeutet diese Entwicklung größere Projekte mit höheren Anforderungen an Planung und Auslegung – aber auch mehr Wertschöpfung pro Auftrag .

1.2 Globale Perspektive: Wachstum mit angezogener Handbremse

Auch weltweit zeichnet sich eine Verlangsamung des Wachstumstempos ab. Laut der chinesischen Photovoltaik-Industrie wird für 2026 ein leichter Rückgang der Neuinstallationen auf 500 bis 667 Gigawatt erwartet, nach etwa 580 Gigawatt im Vorjahr . Erst ab 2027 wird wieder mit steigenden Zubauraten gerechnet.

Bloomberg New Energy Finance bezeichnet dies als historische Zäsur: Zum ersten Mal in über 20 Jahren der Beobachtung des PV-Markts sei ein Rückgang der globalen Neuinstallationen zu verzeichnen . Die Wachstumsprognosen für die Zeit nach 2027 liegen bei moderaten drei Prozent jährlich – „das Zeitalter des Photovoltaik-Hype-Wachstums könnte vorbei sein“ .

Interessant sind die geografischen Verschiebungen: Die USA könnten 2026 ihren Rang als zweitgrößter Solarmarkt verlieren, während Südostasien und Saudi-Arabien an Bedeutung gewinnen . Gleichzeitig entstehen außerhalb Chinas neue Produktionskapazitäten – über 20 Prozent der weltweiten Modulkapazität befanden sich Ende 2025 bereits außerhalb des Reichs der Mitte .

2. Batteriespeicher: Das dynamischste Marktsegment

2.1 Residential-Speicher werden zum Standard

Während der PV-Markt insgesamt ruhiger geworden ist, entwickelt sich der Speichermarkt weiterhin dynamisch. Nahezu keine neue Photovoltaik-Anlage wird 2026 noch ohne Speicher verkauft . Die Speicherquote – also der Anteil neuer PV-Anlagen, die mit Speicher kombiniert werden – bleibt hoch .

Mit fast zwei Millionen installierten Systemen war Deutschland bis Mitte 2025 der attraktivste Markt für Residential-Speicher in Europa. Allein 2024 wurden knapp 600.000 neue stationäre Batteriespeicher installiert, was einem Kapazitätszuwachs von 50 Prozent entspricht .

Allerdings verschiebt sich die Nachfrage deutlich zu größeren Speicherkapazitäten, insbesondere im Bereich 10 bis 25 kWh . Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung sind dynamische Stromtarife: Seit 2025 sind alle Stromversorger verpflichtet, flexible Tarife anzubieten. In Kombination mit PV-Anlage und Batteriespeicher können Haushalte den gespeicherten Strom nutzen, wenn die Marktpreise hoch sind, und den Speicher zu günstigen oder sogar negativen Preisen wieder aufladen .

2.2 Gewerbespeicher: Das Wachstumssegment 2026

Noch dynamischer entwickelt sich der Markt für gewerbliche Stromspeicher. Im Januar 2026 wurden rund 1.248 gewerbliche Speicher über 25 kWh installiert – etwa 34 Prozent mehr als im Januar 2025 . Zusätzlich gingen mehrere Großspeicherprojekte mit jeweils über 20 Megawattstunden ans Netz .

Die Anwendungsfälle für Gewerbespeicher sind vielfältig:

  • Optimierung des Eigenverbrauchs
  • Kappung von Lastspitzen (Peak-Shaving)
  • Notstromversorgung
  • Teilnahme am Regelenergiemarkt

Für Installateure eröffnet das Segment 25 bis 500 kWh einen attraktiven Markt für Gewerbe- und Industriekunden, während sehr große Speicher über 1 Megawattstunde meist von spezialisierten Projektentwicklern umgesetzt werden .

2.3 Speicherpreise auf historischem Tief

Die wirtschaftlichen Voraussetzungen für Speicherlösungen waren noch nie so günstig wie heute. In den letzten 15 Jahren sind die Preise für Speicherkapazitäten um bis zu 95 Prozent gesunken . Ein Residential-Speicher mit 10 kWh Kapazität ist heute bereits für etwa 3.300 Euro erhältlich. Aufgrund der gesunkenen Kosten rechnen sich Investitionen in Batteriespeicher mittlerweile auch ohne Förderung .

3. Preisentwicklung 2026: Das Ende des Preisverfalls

3.1 Aktuelle Preissituation

Die Preise für Solarmodule sind 2026 besonders günstig. Laut Verbraucherzentrale liegen sie etwa 40 Prozent unter dem Niveau von 2024 . Für Haus- und Wohnungsbesitzer ist damit ein finanziell attraktiver Zeitpunkt für die Installation gekommen – sofern Dach und Verbrauchsprofil passen.

Sigrid Goldbrunner, Regionalmanagerin Energieberatung bei der Verbraucherzentrale, erklärt: „Wenn das Dach günstig ausgerichtet ist, lohnt sich eine Solaranlage bereits in weniger als 15 Jahren. Der eingesparte und ins Netz eingespeiste Strom macht die Investition schnell lohnenswert“ .

3.2 Trendwende ab April 2026

Allerdings zeichnet sich für das zweite Quartal 2026 eine Trendwende ab. Ab dem 1. April 2026 wird die chinesische Regierung die Mehrwertsteuer-Exportvergünstigungen für zentrale Produkte der Solarindustrie vollständig streichen . Betroffen sind Wafer, Solarzellen, Module und Wechselrichter.

Bislang konnten chinesische Hersteller bei Exporten einen Vorsteuerabzug von bis zu 13 Prozent geltend machen. Mit der vollständigen Streichung dieser Vergünstigung werden die nicht erstattungsfähigen Steuern direkt in die Produktions- und Exportkosten einfließen . Modulhersteller haben internationale Kunden bereits auf bevorstehende Preiserhöhungen hingewiesen .

Die Branche rechnet mit spürbaren Preissteigerungen im Laufe des Jahres 2026 – eine Zäsur nach jahrelang fallenden Modulpreisen .

4. Politische Rahmenbedingungen im Umbruch

4.1 Das Ende der klassischen EEG-Einspeisevergütung

Die wohl bedeutendste Veränderung für private Anlagenbetreiber steht zum 1. Januar 2027 bevor: Die klassische EEG-Einspeisevergütung für Neuanlagen endet . Die Bundesregierung plant eine grundlegende EEG-Reform mit der Einführung von Contracts for Difference (CfD) .

Bei diesem Modell handeln Betreiber künftig Preisbänder mit Direktvermarktern aus. Wird ein unterer Grenzwert unterschritten, erfolgt ein Ausgleich; wird ein oberer Grenzwert überschritten, werden Gewinne abgeschöpft . Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist dies sinnvoll und netzdienlich, kommunikativ jedoch eine Herausforderung. Für viele private Kunden ist das Modell komplex, abstrakt und emotional schwer vermittelbar .

Fachleute erwarten für 2026 einen spürbaren Vorzieheffekt nach dem Motto: „Lieber jetzt noch schnell eine Anlage mit der klassischen, einfachen Einspeisevergütung“ . Peter Knuth, Geschäftsführer des Solaranbieters Enerix und Vorsitzender des Bundesverbands Solarhandwerk, bestätigt diese Verunsicherung: Die andauernde Debatte um Vergütung, Smart-Meter-Pflichten und negative Strompreise verunsichere Verbraucher .

4.2 Energy-Sharing kommt nach Deutschland

Eine wichtige Neuerung steht ab Mitte 2026 an: Aufgrund einer EU-Richtlinie wird Energy-Sharing in Deutschland eingeführt . Wer überschüssigen Solarstrom produziert, kann ihn künftig mit Nachbarn teilen – zu selbst bestimmten Preisen.

In Italien und Österreich funktionieren solche Energiegemeinschaften bereits erfolgreich, in Deutschland fehlten bislang finanzielle Anreize . Für innovative Betriebe entstehen dadurch neue Geschäftsmodelle in Quartierslösungen, Mehrparteienhäusern oder bei gemeinschaftlichen Speichern.

5. Technologietrends: Sektorenkopplung als Schlüssel

5.1 Wärmepumpe als neuer PV-Treiber

Ähnlich wie 2014 der Stromspeicher den Markt belebt hat, übernimmt heute die Wärmepumpe diese Rolle . Wer ein älteres Haus besitzt und eine Öl- oder Gasheizung durch eine Wärmepumpe ersetzt, entscheidet sich fast immer auch für eine PV-Anlage.

Der Absatz von Wärmepumpen hat sich 2025 spürbar erholt – mit einem Plus von 55 Prozent . Damit steigt der Strombedarf im Gebäude, und die Substitution von teurem Netzstrom durch günstigen Solarstrom für den Wärmepumpenbetrieb wird zum effektivsten Hebel für die Senkung der Nebenkosten .

5.2 Bidirektionales Laden wird Realität

2026 werden Elektroautos rechtlich als Speicher anerkannt, Netzentgelte beim Laden und Rückspeisen entfallen . Damit wird bidirektionales Laden endlich möglich und wirtschaftlich attraktiv. Erstmals werden Elektroautos als Teil des häuslichen Energiesystems anerkannt.

Flankiert wird dies durch eine neue E-Auto-Förderung, die zusätzliche Nachfrage für PV-Anlagen, Wallboxen und Speicherlösungen erzeugt . Rund 25 Prozent der neu installierten Solarsysteme werden bereits mit Wallboxen kombiniert – eine Quote, die den Trend zur Sektorenkopplung unterstreicht .

5.3 Systemdenken wird Pflicht

Der Trend geht eindeutig zum Gesamtsystem zur Maximierung des Eigenverbrauchs. Photovoltaik, Speicher, Wallbox, Energiemanagement und Fahrzeug wachsen zusammen . Wer nur einzelne Komponenten anbietet, bleibt austauschbar.

Für Endkunden wird die Anbieterauswahl dadurch anspruchsvoller. Peter Knuth rät: „Genau hinschauen. Ist der Anbieter auf dem neuesten Stand der Technik? Kennt er sich mit der Thematik aus oder wirft er nur mit Buzzwords um sich?“ .

6. Wirtschaftlichkeit: Lohnt sich Photovoltaik 2026?

6.1 Amortisationszeiten

Die Wirtschaftlichkeit von Photovoltaik-Anlagen bleibt 2026 attraktiv. Die durchschnittliche Amortisationszeit liegt je nach Anlagengröße und Eigenverbrauchsanteil zwischen 8 und 12 Jahren . Bei einer Lebensdauer von über 25 Jahren bedeutet dies eine lange Phase des günstigen oder sogar kostenlosen Stroms.

Besonders wirtschaftlich wird es, wenn der selbst erzeugte Strom direkt genutzt wird – etwa zum Laden eines Elektroautos oder zum Betrieb einer Wärmepumpe . Wer nicht aus eigenen Ersparnissen finanzieren kann oder möchte, findet häufig günstige Kredite.

6.2 Beratungsangebote nutzen

Die Verbraucherzentrale empfiehlt, vor der Investition eine unabhängige Energieberatung in Anspruch zu nehmen . Dort werden wesentliche Fragen geklärt:

  • Wie beeinflusst die Dachneigung den Ertrag?
  • Wie hoch ist der mögliche Autarkiegrad?
  • Ist ein Stromspeicher sinnvoll?

Bei Bedarf besucht ein Energieexperte das Zuhause und prüft vor Ort die Eignung für eine Solaranlage – mit einem Eigenanteil von nur 30 Euro .

7. Zukunftsperspektiven: Was bringt die nächste Dekade?

7.1 Technologische Entwicklung

Die Solarzellentechnologie entwickelt sich kontinuierlich weiter. Der Marktanteil von N-TOPCon-Zellen wird bis 2035 voraussichtlich von aktuell über 80 Prozent auf etwa 50 Prozent sinken, während XBC- und Heterojunction-Zellen an Bedeutung gewinnen .

Allerdings warnen Experten davor, dass die technologischen Fortschritte an Dynamik verlieren. Die chinesische Photovoltaik-Industrie weist darauf hin, dass die kristalline Silizium-Technologie zunehmend an physikalische Grenzen stößt und die Effizienzsteigerungen sowie Kostensenkungen geringer ausfallen werden .

7.2 Photovoltaik auf Mehrfamilienhäusern

Ein besonders dynamisches Segment entwickelt sich bei Mehrfamilienhäusern. Lange Zeit galt Photovoltaik auf Mietshäusern als ökologisch sinnvoll, aber ökonomisch herausfordernd. Diese Bewertung ist 2026 nicht mehr haltbar .

Die Kombination aus ausgereifter Technologie, gesunkenen Kosten und steigendem Elektrifizierungsgrad durch Wärmepumpen schafft ein neues Investitionsklima. Für Bestandshalter und Wohnungseigentümergemeinschaften stellt sich nicht mehr die Frage nach dem „Ob“, sondern nach dem „Wie“ .

Der Schlüssel zum wirtschaftlichen Erfolg liegt in der Wahl des Betriebsmodells. Modelle, die administrative Hürden minimieren und die physische Nutzung des Stroms im Haus maximieren, sind langfristig die rentabelsten Lösungen .

Fazit: Photovoltaik bleibt eine gute Investition

Trotz politischer Unsicherheiten und nachlassender Wachstumsdynamik im Privatkundensegment bleibt Photovoltaik 2026 eine wirtschaftlich sinnvolle und ökologisch notwendige Investition. Die Technologie ist ausgereift, die Kosten sind auf einem historisch niedrigen Niveau, und die Kombination mit Speichern, Wärmepumpen und Elektromobilität eröffnet neue Möglichkeiten der Energieunabhängigkeit.

Die Herausforderungen der Netzintegration und des veränderten Fördersystems sind lösbar. Wer heute in Photovoltaik investiert, profitiert von:

  • Sinkenden Modulpreisen bis März 2026
  • Steigenden Eigenverbrauchsanteilen durch intelligente Speicherlösungen
  • Unabhängigkeit von künftigen Strompreisentwicklungen
  • Aktivem Klimaschutz mit messbarem Effekt

Die Photovoltaik hat sich von der subventionierten Nischentechnologie zum marktfähigen Rückgrat der Energiewende entwickelt. Die Sonne scheint weiterhin kostenlos – und die Rahmenbedingungen werden sich den neuen Gegebenheiten anpassen. Für alle, die über eine Investition nachdenken, gilt der Rat von Peter Knuth: „Keine Angst vor der Zukunft haben und lieber jetzt investieren, als später bereuen“