Photovoltaik 2026: Zwischen Markt-Normalisierung, Preiswende und der neuen Chance Energy Sharing

März 2026 – der deutsche Solarmarkt durchläuft einen tiefgreifenden Wandel. Nach den Rekordjahren 2022 bis 2024 hat sich das Wachstum spürbar verlangsamt. Doch wer jetzt von einer Krise spricht, verkennt die strukturelle Transformation: Der Markt wird erwachsen, Batteriespeicher werden zum unverzichtbaren Standard, und ab Juni dürfen Nachbarn erstmals legal Solarstrom miteinander teilen.

Marktnormalisierung auf hohem Niveau

„Ich gehe von einem normalen Jahr 2026 aus“, sagt Peter Knuth, Vorsitzender des Bundesverbandes des Solarhandwerks . Nach den Boomjahren mit über 670.000 privaten Neuinstallationen 2023 ist der Markt nun spürbar ruhiger geworden. Der Zubau privater Anlagen lag 2025 rund 30 Prozent unter dem Vorjahresniveau .

Die aktuellen Zahlen des Marktstammdatenregisters zeichnen ein klares Bild: Im Januar 2026 wurden knapp 26.000 PV-Anlagen im Residential-Segment (5–25 kWp) installiert – für einen ungewöhnlich kalten und schneereichen Wintermonat ein stabiles Ergebnis . Zum Vergleich: In den Boomjahren 2023 und 2024 lagen die Januar-Zahlen bei etwa 53.000 beziehungsweise 51.000 Anlagen .

Batteriespeicher werden zum Standard

Während der PV-Markt insgesamt an Dynamik verloren hat, bleiben Batteriespeicher der große Treiber. 95 Prozent aller Neuanlagen werden inzwischen mit Stromspeicher installiert . „Mittlerweile rüsten viele Bestandskunden ältere Anlagen nach“, bestätigt Peter Knuth .

Die Preise für Speicherkapazitäten sind in den letzten 15 Jahren dramatisch gefallen: von über 2.500 Euro pro kWh im Jahr 2010 auf heute durchschnittlich 440 Euro pro kWh . Ein 10-kWh-Heimspeicher ist bereits für etwa 4.290 Euro erhältlich . Größere Speicher ab 15 kWh sind pro kWh oft günstiger und kosten teilweise unter 390 Euro pro kWh . Für die kommenden 12 bis 18 Monate erwarten Experten weitere Preissenkungen von 5 bis 15 Prozent .

Noch dynamischer entwickelt sich das Segment der gewerblichen Stromspeicher. Im Januar 2026 wurden rund 1.248 gewerbliche Speicher über 25 kWh installiert – etwa 34 Prozent mehr als im Januar 2025 .

Preiswende bei Solarmodulen ab April 2026

Die vielleicht wichtigste Entwicklung steht unmittelbar bevor: Ab dem 1. April 2026 streicht China die Mehrwertsteuer-Exportvergünstigungen für Solarmodule, Zellen und Wafer vollständig . Bislang konnten chinesische Hersteller bei Exporten einen Vorsteuerabzug von 9 bis 13 Prozent geltend machen .

„Allein die Abschaffung der Exportvergünstigungen wird den Modulpreis um rund zehn Prozent steigen lassen“, erklärt Jannik Schall, Produktchef des Energieversorgers 1Komma5° . Marktanalysten gehen von Preissteigerungen von 15 bis 20 Prozent bei einzelnen Komponenten aus . Ein TOPCon-Modul, aktuell für etwa 0,10 Euro pro Watt gehandelt, könnte in den kommenden Monaten 0,12 bis 0,13 Euro erreichen .

Für Batteriespeicher gilt eine Übergangsfrist: Zwischen April und Dezember 2026 sinkt der Exportrabatt von 9 auf 6 Prozent, bevor er 2027 ganz entfällt .

Wirtschaftlichkeit neu gedacht

Die Amortisationsrechnung fällt eindeutig aus: Eine PV-Anlage mit Stromspeicher amortisiert sich bei normalem Haushaltsverbrauch in etwa 13,3 Jahren, während eine Anlage ohne Speicher fast 17 Jahre benötigt . Mit zusätzlicher Wärmepumpe oder Elektroauto verkürzt sich die Amortisationszeit auf nur 6,7 Jahre . Die Speicherkosten pro gespeicherter kWh belaufen sich 2026 auf nur 4 bis 8 Cent .

Energy Sharing: Solarstrom für die Nachbarschaft ab Juni 2026

Eine weitere bedeutende Neuerung 2026 ist die Einführung von Energy Sharing. Ab 1. Juni 2026 erlaubt der neue Paragraf 42c des Energiewirtschaftsgesetzes, überschüssigen Solarstrom direkt an Nachbarn zu verkaufen . Bislang mussten Betreiber ihren Strom zu knapp acht Cent pro Kilowattstunde einspeisen, während Nachbarn im Schnitt 35 Cent zahlten . Mit Energy Sharing können beide Seiten profitieren – eine klassische Win-Win-Situation.

Voraussetzung sind intelligente Messsysteme (Smart Meter) und zwei Verträge zwischen den Beteiligten . Ab Juni 2026 müssen Verteilnetzbetreiber Energy Sharing innerhalb ihres Bilanzierungsgebietes unterstützen .

Was bedeutet das für Verbraucher?

Wer mit dem Gedanken spielt, eine Photovoltaikanlage anzuschaffen, sollte 2026 nicht zu lange zögern. Die Preise für Speicher sind historisch günstig, bei Modulen zeichnet sich eine klare Trendwende ab. Gleichzeitig wird die Wahl des richtigen Partners entscheidend: Gefragt sind Systemlösungen mit Speicher, Wallbox und Energiemanagement . Der Markt konsolidiert sich weiter – Unternehmen mit umfassenden Dienstleistungen für Eigenverbrauch und Systemintegration werden sich durchsetzen .